Kaum hört sie auf zu studieren, lässt sie auch ihren Blog schleifen? Könnte man so sagen, auch wenn es nicht unbedingt beachsichtigt war. Ich habe einfach „zu viel“ erlebt, vor allem im Freien. Hatte oft das Bedürfnis, den Augenblick lieber zu genießen, als umständlich meine Kamera herauszukramen, um die entstandenen Fotos später Blog-gerecht zuzuschneiden. Und an vielen Tagen interessierte mich mein Computer, geschweige denn das Internet, einfach nicht. Aber ganz von vorn:

Wie hatte ich mir den Sommer vorgestellt? Nun, ich hatte mir ausgemalt, bei meinen Eltern zu wohnen (aus dem Wohnheim in Weimar musste ich Ende März wohl oder übel raus), an meinem Online-Shop zu arbeiten, ein paar Nachbereitungen zum Bachelorprojekt anzustellen und ab und zu auf Reisen zu gehen, um Freunde zu besuchen. Fast 6 Monate wären das gewesen … doch dann kam Hannes!

HannesWiese

Nach einer Woche Kinderzimmer zog ich (fast zurück) nach Erfurt. Dem Arbeitsamt sagte ich adieu, suchte mir in der Nähe der Uni einen Job in einem Copyshop und liebte es! Den ganzen Tag mit Papier arbeiten. Schneiden, falzen, lochen, heften, leimen, binden, prägen, entgittern, ordnen – der helle Wahnsinn. Unsere häufigsten Aufträge waren Bachelor- und Masterarbeiten in Hardcoverheißleimbindungen. Mehr Handarbeit, als man denkt. Aber es machte unglaublich viel Spaß. Und ganz nebenbei kamen mir jeden Tag unzählige Inspirationen zu eigenen Projekten. So fuhr ich mehrmals neben meinen Arbeitszeiten in unsere Filialen (ich wurde bald in beiden eingesetzt), um zum Beispiel einen eigens entworfenen, umfangreichen Gartenplaner mit Illustrationen zum Leben zu erwecken. Ein Geschenk zu Hannes‘ Geburtstag. … und wehe, du traust dich nicht, ihn zu benutzen!

Zwischendrin schrieb ich meine Motivationen für den Master und plagte mich mit all den Formalien rum. Anschreiben, Lebenslauf, Bachelor-Zeugnis, Abi-Zeugnis (Warum?!), Exposé, Motivation, Portfolio, Inhaltsliste, Eigenständigkeitserklärung, Aufstellung der letzten Projekte … und dann zwei Absagen. Und eine Einladung zum Gespräch nach Konstanz! Manchmal glaube ich, dass unsere künstlerischen Aufnahmebedingungen härter sind, als manches Studium. Das Gespräch hatte es ebenfalls in sich. Es erinnerte an eine gnadenlose Schießerei im Wilden Westen. Bei diesem Kanonenfeuer an Fragen blieb zum Überlegen keine Zeit. Und schon war ich wieder draußen. Die Professoren hatten nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich zitterte, als ich 4 Tage später eine Email aus Konstanz im Postfach hatte. Und wie ich danach durch den Raum getanzt bin. Und gleich nach der Arbeit unseren Lieblingswein besorgt hatte, um feierlich auf die geniale Nachricht anzustoßen!

Durch die ganzen verstreuten und unvorhersehbaren Bewerbungstermine war ein größerer Urlaub ins Ausland dieses Jahr leider nicht drin. Stattdessen lernte ich Hannes‘ Eltern und Doggen (sie leiten eine Zucht und im August kamen die kleinen Welpen, uiuiui!) und schon bald seine ganze Familie bei einem gemeinsamen Urlaub in Naumburg kennen. Mit Hannes verbachte ich auch eine Woche in Kolkwitz. Wir radelten bis zum Tagebau, weiter nach Merzdorf, besuchten ein Gartenfestival im Branitzer Park, gingen bei Abendsonne zu zweit baden, hatten großen Spaß im Erlebnispark Teichland, paddelten durch den Spreewald (einen winzigen Teil) und grillten zu viert megamäßig vegan. Wir besuchten Hannes‘ Großeltern, die uns zu einem Konzert 500 Meter unter der Erde mitnahmen. Feierten mit all seinen Verwandten eine riesige Silberhochzeit sowie einen 80. Geburtstag. Gingen zu kleinen und großen Kinofilmen, zum Erfurter Campusfestival, zu Hannes‘ eigens organisierter Filmvorführung „Man for a day“ mit anschließender Diskussion mit der Regisseurin, besuchten den Vegan Summer in Jena, organisierten einen VeBu-Stand auf dem Schulhof, trafen uns mit unseren mittlerweile schon „beängstigend“ vielen Veggie-Freunden zum veganen Potluck und Stammtischen. Fuhren nach Weimar zum Seifenkistenrennen, Bauhausmuseum, Typofestival, zur Summaery und Genius Loci. Noch gar nicht lange her, mein Umzug nach Konstanz (den mir Hannes mit seiner Hilfe so viel leichter gemacht hat) mit Hörbuchmarathon zur langen Autofahrt und unsere gemeinsame Urlaubswoche am Bodensee mit einem Abstecher auf die wunderschöne Insel Mainau, auf der ich zuletzt 1992 gestanden hatte. Nicht zu vergessen, verbrachten wir fast jede Woche einen Tag bei Abendsonne im Garten und wenn uns mal nicht so nach Draußen war, liehen wir uns Filme und Bücher aus der Bibo und machten es uns zu Hause gemütlich. Und schließlich stellte ich fest, dass unser Sommer längst mehr wert war, als ein Flug ins Blaue.

Nun sitze ich hier, am letzten freien Tag, habe wahrscheinlich 20 Blogbeiträge in einem abgehandelt. Ihr seid wieder auf dem aktuellen Stand und morgen geht es los. Mit dem nächsten Abenteuer: Mastern in Konstanz! Den Veranstaltungsplan kenne ich schon ein bisschen und ich glaube, das wird hier etwas ganz anderes als in Weimar. Wenn ihr also Lust habt, neue Projekte mit mir zu erleben, bleibt dran und immer schön lesewütig. ;)

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