Jaaa! Fast ein halbes Jahr nicht genäht und dann erreichte mich über Facebook ganz plötzlich die Frage:

Wendy, 20.06.2014 13:48:Would you like to come to mine Monday afternoon and do some sewing…….x“.

Claudie, 20.06.2014 23:49: „YEAH! Of course! What a question? :D“Wsewing

Wendy war immer Montag und Mittwoch an der Reihe, Vicky 12 Uhr aus dem Kindergarten abzuholen. Nach meinem Semesterende schlug sie dann das ein oder andere mal vor, zu dritt etwas zu unternehmen. Außerdem konnte ich sie dabei unterstützen, auf Vicky aufzupassen, während sie die vom Arzt verordnete halbe Stunde Mittagsschlaf hielt.

Sie ließ mich ihr Gartenhäuschen nach Unmengen an Stoff durchwühlen. Am Abend zuvor hatte ich mir noch schnell ein paar Anleitungen angesehen, wie ich ohne Extras und Bügeleisen etwas halbwegs Passables nähen könnte. Vicky war zum Glück vom Kinderprogramm im TV abgelenkt, so konnte ich in aller Ruhe rattern.

VickyTVZwischendurch kam auch mal Alessandro nach unten in die Küche. In Schlafsachen, da er diese Nacht um 3 nach Italien fliegen würde und Schlaf „vorholen“ musste. Mit ironischem Stolz zeigte ich ihm mein Werk und er fragte „Wow! How did you do this?“ Na ja, schwer zu erklären. Aber er wäre sicher sowieso noch zu verschlafen gewesen, um der Anleitung folgen zu können.

„Most times I’m using applications.“, sagte Wendy, als sie wieder wach war. Also fügte ich noch ein paar davon hinzu. Ursprünglich wollte sie das Geschenk vor Verlegenheit gar nicht annehmen, jetzt konnte sie aber wirklich nicht mehr ablehnen. :)

Wutensilo

Eine Woche später habe ich das Utensilo gefüllt mit Stiften auf ihrem Fenstersims im Wintergarten entdeckt.

Und nach dem Montag kam dann der Mittwoch. Ein völlig verkorkster Tag, weil das geplante Treffen mit Jenny (wegen plötzlichem Zahnen ihrer kleinen Leonie) nicht mehr klappte, dann aber doch, aber mit anderem Ausflugsziel und nur vielleicht und ach. Da verschoben wir das ganze einfach und Wendy nahm mich mit nach Flatford in Suffolk.

Ohne jeden Zweifel war ich im Spreewald von England gelandet. Mit Fluss, Wald, Booten und Reetdächern. Ich fühlte mich pudelwohl. Einen entspannten Ausflug mit der Nanny hat man auch nicht alle Tage. Weiter hinten auf dem Gelände sah es dann schon etwas britischer aus: Backsteinziegel und Wolken.

FFcottage2

Nicht weniger reizvoll – die britische Mystik.

Und ganz viele Entchen, darunter die erste Laufente, die ich in meinem Leben gesehen habe. Getarnt als Dalmatiner. Überhaupt war das Vogelgetier hier sehr zutraulich, was sicher am weit abgelegenen Ort lag. Als ich ein Ehepaar bei der Fütterung fotografierte, wollte die Frau ihren Mann schon aus dem Bild schieben, weil sie dachte, sie beide würden im Weg stehen. Aber ich erklärte, dass ich die beiden gern mit drauf hätte, weil ich das Bild gerade deshalb so schön fand.

FFcake

Genug gelaufen. Jetzt erstmal etwas Süßes zur Stärkung.

Und dann entdeckte ich etwas ganz Großartiges! Ein Museum. Aber nicht nur irgendein Museum mit irgendwelchen Bildern. Sondern ein Museum mit Malereien vom berühmten John Constable, die genau hier vor etwa 200 Jahren entstanden sind! Mit Geburt im nahegelegenen East Bergholt war Flatford sicher ein oft besuchter Ort in seiner Kindheit.

FFJohnConstable2

Foto vom Gemälde im Museum: „Flatford Mill“ 1816-17

Nun war es wieder Zeit für Wendys Mittagsschläfchen. Sie machte es sich auf der Rückbank ihres Autos bequem, während Vicky und ich den Botanischen Garten erkundeten. Ich erklärte ihr einige Dinge, die ich selbst noch wusste, zum Beispiel, dass der Fingerhut ganz ganz dolle giftig sei.

FFbird1 Zeit für ein Fotoshooting mit dem lieben Rotkehlchen blieb auch noch. Beim Gelb, das unter dem Schnabel hervorlugte, hatte ich aus irgendeinem Grund ein Déjà vu. ;)

FFgardenGoodbye Flatford, ich werde beim nächsten Gewürzgurkennaschen an dich denken!

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