Unglaublich zufälliger Weise kannte ich jetzt endlich jemanden, der an der Uni Essex nicht nur studierte, sondern sogar dort arbeitete. Und er bot mir obendrein noch eine exklusive Führung durch’s Gelände an. Da ein Besuch der Uni schon lange auf meiner Löffelliste stand, machte ich gleich einen Termin fest. Nur 3 Tage später saß ich im Bus zur Valley Road. Da in Colchester-Bussen die einzelnen Stationen nicht angezeigt geschweige denn vorgelesen werden, fragte ich den Fahrer, ob er mir Bescheid sagen könne, wenn wir diese Haltestelle erreichen. Als es dann so weit war, schaute ich aus dem Fenster und dachte nur „Nee, das kann nicht richtig sein. Keiner der typischen schwarzen Türme weit und breit zu sehen.“ Und überhaupt sah da so gar nichts nach Uni aus. Ich fragte schnell eine Mitfahrerin, die wie eine Studentin aussah und sie meinte, es sei noch eine Station weiter. An der stieg ich dann also aus. Allerdings wären es zwei weitere Stationen gewesen. Da denkt man, man kann sich endlich gut in der fremden Sprache verständigen und dann nützt alles nüscht.

EUducks

Campus-Entchen!

Nach einem Anruf hatte ich Davide, bzw. er mich dann doch noch gefunden. Zuerst führte er mich über den Campus und erzählte, was so in den Gebäuden vor sich ging. Später betraten wir das spacige Gebäude mit Inhalt Audimax, in dem die Stühle in den Farben der Uni gepolstert waren. Rot und Violett. Sah sehr gemütlich aus. Das Gelände verfügte aber nicht nur über Lehrgebäude, sondern auch Shops, wie einen Bücherladen, Cafés und sogar einen Supermarkt. Die Campus-Katze, über die ich schon so viel gehört hatte, ließ sich an diesem Tag leider nicht blicken. War bestimmt ein paar Futterspendern begegnet und lag nun faul im Park unterm Strauch. Ja, ein Park! Denn auch einen Ort der Erholung brauchen die Studenten.

Nach einem reichhaltigen Mittagessen und ausgiebigen Gesprächen über die Eigenarten von Corporate Design und Logos (insbesondere für dieses Projekt) führte mich Davide in sein Labor. Zugegeben gruselte ich mich für den ersten Moment. Als er mir aber erklärte, dass hier keine Affen, sondern nur Menschen getestet werden, atmete ich auf. ;)

EUlaboratoryMy job is not properly a job: I’m a PhD student with a studentship, a sort of early researcher. I’m working on brain computer interfaces, to try to command a machine or a computer just with the mind.“

Da Davide nun wieder an die Arbeit musste, noch der halbe Tag vor mir lag und ich ein Tagesticket für die gesamte Region gekauft hatte, entschloss ich kurzerhand, noch einen kleinen Ausflug nach Wivenhoe zu machen. Wieder wusste ich nicht so recht, wo ich aussteigen sollte, also fragte ich den Fahrer (diesmal ein anderer!), als auch die letzte Person ausstieg, ob das hier die Endhaltestelle sei oder ob er mir einen speziellen Halt in Wivenhoe empfehlen könnte. Ja, die nächste Station sei nur noch der Bahnhof. Hier ist ein guter Ort zum Stadt-Entdecken. Und er hatte Recht!

Nur noch die Hauptstraße geradeaus und ich traf auf den River Colne. Sogleich übermannte mich trotz bedeckten Wetters das Urlaubsfeeling. Ich lief den kleinen Hafen entlang an heimischen Restaurants und Café-Terrassen.

Das Ufer war vom letzten Regen ganz schön schlammig. Wer hier keine Gummistiefel besaß, der konnte eigentlich gleich baden gehen. Haha!

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Vielfalt der Strukturen: Modderschlamm und … Entengrütze?

Als perfekten Ausklang des Ausfluges schaute ich noch im – ebenfalls kleinen – Bücherladen vorbei und fand mehr, als in so manchem großen. Zwei Bücher hatten mir es sofort angetan, die mich ein wenig an „Die Bücherdiebin“ erinnerten. Eines der beiden schien die Verkäuferin selbst noch nicht in der Hand gehabt zu haben und meinte „Das sieht interessant aus!“. So begannen wir ein Gespräch und ich nahm nicht nur die Bücher sondern auch eine schöne Erinnerung aus diesem Lädchen in Wivenhoe mit.

Am Abend trafen Davide, Alex, Sam, Matthew, Susi und ich uns zum Fußballgucken in unserem WM-Stammlokal. Beim Betreten starrten wir auf die Leinwand. Mit reichlich einer halben Stunde Verspätung lagen die ohnehin schon schlechtaussehenden Spanier hinten, woraufhin Alex schmollte und ein aufmerksamer Mann im Pub sofort mitfühlend fragte: „Spanish?“

Auf dem Weg zum nächsten Ale im nächsten Pub kam ich endlich dazu, ein Beweisfoto vom wohl grausigsten Schaufenster ganz Colchesters zu schießen:

sloppy-joesEine Woche später musste ich dafür in genau diesem Restaurant mit einem 5-Pfund-teuren-mikrigen-Käsekuchen bezahlen

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Aber hey hey. Das ist doch kein Grund, gleich die Bank auszurauben. ;)

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