Sonntag, 8. Juni

Einen Tag nach Abreise meiner Chiquitas fand im Castle Park das alljährliche Medieval Festival statt. Und das Wetter war wieder bombig. Ich fragte Johanne und Laura, ob sie spontan Lust hätten, ins mittelalterliche Treiben einzutauchen. Es brauchte keine Überredung, da vor allem Johanne ein großer Fan der Gaukler war.

MFpond

Auf einer Bank sitzend, die wärmende Sonne bei britischer Brise genießend wartete ich auf die Ankunft der beiden.

MFpark

Von diesem Punkt aus hatte ich mir den Park noch nie angeschaut.

Gleich zu Beginn startete die Falconry. Vor allem die Eule war unglaublich putzig, wie die Streicheleulen aus dem bekannten YouTube-Video. Aber eigentlich bin ich ja gegen sowas. Und dann erklärte der Falkner auch noch, dass man den großen Adler durch zu viele Vorführungen töten könnte, da er normalerweise selten durch eigenen Kraftantrieb fliegt, sondern hauptsächlich den Wind zum Gleiten nutzt. Und das hat man auch gesehen. Zum Schluss ist der Arme nur noch über die Wiese zu seiner Jagdbelohnung gestolpert. :(

Ansonsten behalte ich das Festival in schöner Erinnerung. Wir konnten einfach mal die Seele baumeln lassen, haben alles langsam angehen lassen. Ein wenig „shoppen“ und bei leckerem Essen auf der Wiese das schöne Wetter genießen. (Und die Kinderstimmen, die beim Augenschließen immer nach Freibad klingen.)

Donnerstag, 12. Juni

Am darauffolgenden Donnerstag luden mich die beiden zu sich nach Harwich ein. Bis auf zwei Kommilitonen wohnte keiner aus meinem Kurs direkt in Colchester. Die meisten kamen mit Zug oder Auto aus umgebenen Städten wie Chelmsford, Harwich oder Braintree. Deshalb war es auch so schwierig, abends gemeinsam etwas zu unternehmen. Aber nun waren ja Ferien und das Wetter bombastisch, also machte ich mich auf den Weg zum Zug, der eine Stunde später in Harwich einfuhr.

Laura stand schon am Gleis, um mich gleich in ihr wunderschönes Städchen zu entführen. Nachdem wir Johanne abgeholt hatten, besorgten wir in ASDA noch den nötigen Schinken, den die Krabben so lieben. Sie wollten mir nämlich das traditonelle Crabbing beibringen. Man benötigt ein kleines, mit einer Scheibe Schinken gefülltes Stoffsäckchen an einer langen Angelsehne, die man mithilfe eines Gewichts im Wasser versenkt.

Johanne ist unsere Crabbing Queen!

Johanne ist unsere Crabbing Queen!

Es dauerte nicht lange, da bissen – oder besser gesagt kniffen die ersten Krabben auch schon an. Ganz langsam zogen wir unsere Schnüre nach oben. Bei Johanne hingen gleich sechs Tierchen auf einmal an dem kleinen Stoffsäckchen. Mit einem Kescher beförderten wir sie in unsere Wassereimer. Crabbing ist nämlich eine Art Spiel (sicher nicht besonders lustig für die Tiere), bei dem der beste Fischer Ruhm und Ehre erlangt. Es geht nicht ums Nahrungsangeln, diese Krebse sind sowieso nicht eatable. Und danach werden sie auch alle wieder ins Meer entlassen.

heyna

Hey, na?

Die Säckchen waren ganz schön lädiert. Ich hatte auch richtig Angst, die Krabben vom Netz in den Eimer zu überführen. So ein Kniff ist sicher nicht ganz unschmerzhaft. Und ich hätte sie vor Schreck sicher auch wieder sofort ins Wasser befördert. Den restlichen Schinken schenkten wir den Möwen, die mit ihrer Gier ihren Artgenossen aus Nemo doch sehr gerecht wurden.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit einem ausgiebigen Rundgang durch das Städtchen. Johanne war bekannt wie ein bunter Hund und grüßte beinahe jeden Passanten an jeder Ecke.

HWbeach

Endlich Sonne zum Strand!

Sogar das Wasser war den Füßchen nicht mehr zu kalt.

Wir sahen uns staunend das Lifeboat Museum mit dem riesigen Gefährt und längst verblichene Fotos von Rettungsaktionen auf stürmischer See an, die nicht immer gut ausgingen. Nach einem erfrischenden Eis setzten wir unseren Weg zum kleinen Hafen fort und nahmen die Fähre nach Shotley Gate, wobei eindeutig der Weg das Ziel war, da es auf dem Festland nicht viel zu sehen gab.

Bevor es am frühen Abend zurück zum Zug ging, fragte ich, wie weit der Ententeich entfernt sei, den wir am Morgen aus dem Auto heraus gesehen hatten. „Not far from here. Let’s go!“ Und so fütterten wir in der Abendsonne die ohnehin schon prallen Bäuche der Federtiere. :)

Dieser Tag war derjenige, der dazu führte, dass mich viele Freunde und Bekannte anguckten und sagten: Du bist ja so braun geworden! Die Sonne dort war tatsächlich echt heftig. Und an der Küste geht das ja auch immer ein bisschen schneller. Spätestens jetzt ist England für mich auf keinen Fall mehr das Regenland! :D

HWtrain Goodbye – like you’ve always said: my huns!

All the time I spent with you was so much fun!

Thank you for making the Most of my last days!

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