Nach Sieb- und Linoldruck wollte ich noch mehr! Eine neue Technik musste her, und zwar mal eine ganz andere. Ohne gleichmäßigen Farbauftrag und große Flächen, dafür mit umso mehr Details. Bei Carmen hatte ich gesehen, wie gut Kaltnadelradierung funktioniert. Ich suchte nach Motiven, die möglichst filigran waren, um die Besonderheiten der Technik voll auszukosten. Beim Ändern meines Profilbilds auf Facebook machte es dann klick. :)

drypoint_cutting

Einritzen der Motive: done!

Da die gesamte Druckplatte auch ohne Vertiefungen in einem leichten Grau immer mitgedruckt wird, ist es wichtig, die Platte genau auf das gewünschte Endmaß zu schneiden und das Motiv richtig zu platzieren.

Wie auch beim Linoldruck ist der Abzug seitenverkehrt, allerdings nicht invertiert, da die druckenden Elemente die tieferliegenden, gezeichneten Linien sind. Ein Tiefdruckverfahren also.

drypoint_closeup

In den eingeritzten Linien sammelt sich später die Farbe.

drypoint_wet

Schon mal vorbereitend ein Papier ins Wasserbad werfen. Bevor es später durch die Presse geht, muss es wieder trocken getupft werden. Am besten mit saugfähigem Aquarellpapier.

Jetzt folgt der aufwändigste Teil. Plexiglasplatte mit dicker Ölfarbe rakeln, um dann alles überschüssige mit einem netzartigen Stoff in kreisenden Bewegungen wieder abzunehmen. Das erfordert enorm viel Kraft, sodass man pro Tag nach vielleicht 10 Vorgängen die Lust verliert. Ich war froh, dass ich nach drei Drucken aus dem Studio geworfen wurde, weil eine Klasse darin anschließend Unterricht hatte.

drypoint_press

Umhüllt von Schmierpapier und dicken Stofflagen heißt es nun kurbeln, was das Zeug hält!

drypoint_ready

Und fertig! Rechts der Druck, links die Druckplatte, die man im Anschluss mit Lackbenzin wieder ordentlich säubern sollte. Kraftanstrengung again.

Printhair1

Im Anschluss hatte ich probiert, die Plexiglasscheiben einzuscannen. Wie erwartet mit mäßigem Erfolg. Und dann klickte ich in Photoshop auf die sonst so sinnlose, weil extreme Funktion „Tonwertangleichung“ und WOW! Da staunte ich nicht schlecht!

DrypointExperiment

Analog-digitales Experiment!

 

 

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