Ay, jetzt ist unser Urlaub schon wieder 2 Wochen her und ich bin immer noch nicht dazu gekommen, Teil 2 fertigzustellen. Mit dem ersten Uni-Tag ging auch der Stress richtig los, da wir – eher durch Zufall – realisiert haben, dass die Abgabefristen nicht wie angenommen auf Ende Juni, sondern bereits auf Ende Mai festgesetzt sind. Hui, da flossen erst mal die richtig heißen Energiewellen durch mich hindurch und mein Kopf begann zu rattern, weil er sofort versuchte, einen neuen Zeitplan zu erstellen und darin keine Stellen mehr für Freizeit fand. Well … dann schläft man eben mal ein wenig noch weniger, bevor sämtliche Details des Urlaubs aus der Erinnerung verloren gehen.

Let’s start:

Sonntag, 13. April

Sonntag ist wohl unser Squirrel-Fütter-Tag, vielleicht, weil es aufgrund der die-meisten-Busse-fahren-Sonntags-nicht-Regelung so gut wie unmöglich bzw. ziemlich umständlich ist, aus Colchester rauszukommen. Also führte unser Weg wieder in den Castle Park – die restlichen Nüsse mussten ja sowieso noch verfüttert werden – und trafen auch gleich unsere Freunde von letzter Woche wieder. Diesmal waren sie erfreulicherweise kein bisschen wählerisch, sodass wir bald einige Experiment mit ihnen wagten. Auch Lommy traute sich, seine Hand einem Flauschball entgegenzustrecken. Bei ihm war das Eichhörnchen allerdings um einiges schüchterner, als bei uns. Lemuren gehen möglicherweise nicht so oft in den Castle Park.

Sq_2

Nuss schnappen oder hungrig bleiben?

Sq_3

Hauptsache ‚was zu fressen.

Martin drehte an diesem Tag tausende Videos von lustig-dummen Tauben und frech-schlauen Squirrels, die er zum Teil mit Stimmen unterlegen will. Er hat mir schon mal eine Kostprobe gegeben, während er eines abspielte und oh man – es war genial! Ich hoffe, er kommt bald dazu. Dann findet das Video natürlich hier auch noch seinen Platz.

Sq_trick

Achtung und gut aufgepasst beim Nusszaubertrick.

Am gleichen Tag besuchten wir auch das Natural History Museum. Viele Museen in Colchester verlangen keinen Eintritt, möchten aber, dass man ein Souvenir im Shop kauft. Jetzt habe ich eine versteinerte … Nautilusmuschel, oder wie sich das nennt. Yey! Die Ausstellung war spannender, als ich es mir vorgestellt hatte. Meine Erwartungen waren in etwa auf dem Level: altes, verstaubtes Museum mit ausgestopften Puppen, in dem man den Aufseher leise schnarchen hört. Aber es gab tolle Dinge zu entdecken! Die meiste Zeit verbrachten wir am Supermikroskop, das die untergelegten Dinge enorm vergrößert auf einen Monitor übertrug. Wirklich enorm enorm! So nah könnte selbst ich es mit meiner 100%-Sehstärke (*stolz*) nicht erkennen. Und es war einfach ekelhaft! Meine trockenen Hände sahen aus wie Plastiktüten. Ieh, ieh, ieh!

NHM_skin

Das Supermikroskop. Nicht-überbelichtete Fotos leider unmöglich. Live konnte man jedes einzelne Hautfarbpixel sehen.

 

NHM_teeth

Zähne immer auf Tasche, kein Problem.

Da wir beinahe den ganzen Tag in der Stadt verbracht hatten, entschieden wir, auch zum Abendessen dort zu bleiben. Nach einem ausgiebigen Das-ideale-Restaurant-finden-Stadtrundgang kehrten wir ins Missoula ein. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig, keine Fotos gemacht zu haben, da die Inneneinrichtung außergewöhnlich genial war. Ein rustikal-moderner Mix mit türkis-blauen Hirsch-Trophäen.

13thdinner

Omnomnom! Von jedem für jeden die Hälfte.

Montag, 14. April

Heute wollten wir mal aus Essex raus und fuhren mit dem Zug nach Ipswich in Suffolk. Eine gute Idee, wie sich schnell herausstellte. Das Wetter tat sein übriges. Diesen Tag wollten wir mal nicht mit Museumsbesuchen und Sightseeing verbringen, sondern uns ganz gemütlich die Läden und die Stadt ansehen. Mit einem Drittel mehr Einwohnern als in Colchester gab es auch ein paar mehr Shoppingmöglichkeiten. Und einige moderne Gebäude zwischen schönen alten Häuschen.

IW_blackhall

Schwarzes, großes, eindrucksvolles Gebäude zur Begrüßung beim Eintritt ins Stadtzentrum.

Wir suchten uns auf der Karte den nächstgelegenen Park aus und betraten schließlich gemeinsam mit der tiefstehenden Abendsonne den Studentenpark der University Campus Suffolk. Auf einem Hügel gelegen wärmte uns die Sonne ganz gemütlich, während wir auf einer Bank saßen und einfach nur entspannten.

IW_park

Uni-Park mit unserer Bank.

Der Rückweg zum Zug führte uns am Hafen vorbei und hach – das war mindestens genauso schön.

IW_harbour3

Abendsonne, Glitzerwasser und Schimmerboote.

Dienstag, 15. April

So wie Sonntag Squirrel-Tag war, ist Dienstag London-Tag. Nach ein wenig Kartenlesen fanden wir das Hunterian Museum am Lincoln’s Inn Field. In einem Prospekt hatte ich gelesen, dass es das „weirdest museum of London“ sei. Und das war es tatsächlich. Die Räumlichkeiten waren bis unter die Decke gefüllt mit unendlich vielen Formalin-Gläsern, die Tiere, Menschen, Föten, Organe usw. enthielten. Martin bemerkte, wie un-eklig das doch alles aussieht, sobald das Lebewesen von Blut und anderen Flüssigkeiten reingewaschen ist. Na ja, diese Annahme wehrte nicht lange. Als es dann zu den Krankheiten und Mutationen überging, wurde uns schon flau im Magen, bis es in der oberen Etage bei Fotos von den ersten chirurgischen Operationen und Videoaufnahmen von einer Kamera im Körper während der OP endgültig aus war.

Blöderweise knurrten uns gleichzeitig die Mägen und wir mussten die Bilder schnellstens verdrängen, um Mittag essen zu können. Bis wir einen Imbiss gefunden hatten, verging zum Glück noch mal ein wenig Zeit und der Hunger war mittlerweile stärker. Reis mit Tofu und asiatischem Curry sah zwar aus wie hingeklatscht, war aber sooo unglaublich lecker, dass ich es eines Tages noch mal essen muss.

Next Destination: Foyles Bookstore. Doch bis dahin nahmen wir gefühlt jede Quer- und Längsstraße, die man so nehmen konnte. Mehr durch Zufall passierten wir dabei auch den Trafalgar Square und Covent Garden. Große Plätze, viele Menschen, Sonne – es fühlte sich wie Sommerurlaub im Süden an.

L_trafalgar

Trafalgar Square Brunnen *hüpf*

 

L_Masse

Menschenauflauf um Mr. Comedy am Covent Garden.

L_MrBean

Never forget your teddy!

Kurz nach Chinatown erreichten wir dann also den laut Michael größten Buchladen Londons. Beim Betreten war mein erster Gedanke jedoch „Und dafür sind wir jetzt so weit gelaufen?“ Es sah nämlich eher wie ein kleiner privater Laden aus. Auf den ersten Blick. Danach entdeckten wir einen Gang nach dem anderen und natürlich die Aufzüge und Treppen. Zwei ganze Regale waren mit deutschen Exemplaren gefüllt. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob es wirklich DER größte Buchladen ist, aber um zwei Stunden dort zu verbringen, war er groß genug. Meine Beine waren nach dem ständigen Runterhocken und Wiederaufstehen definitiv hinüber.

L_Foyles

Nach dem Verlassen von Foyles ist es schon dämmrig draußen.

L_schmeckt
Hahahahaha! Ich musste so unglaublich lachen, als ich das entdeckt habe. Vor allem weil ich beim Fotografieren erst dachte „Man, was ist das für ein blöder Sticker da.“ Schmeckt! ist nämlich zur Zeit einer meiner Lieblingskommentare. :D

Mittwoch, 16. April

D_funnyhorseNanu, hallo? Ach Sie sind unser Model für heute? Nein, der Herr da drüben? Na gut, einen schönen Tag noch.

Irina nahm uns mit zu einem Fotoshooting nach weiß-nicht-wo. Auf jeden Fall sehr ländlich und hinter Dedham gelegen. Was wir vorher nicht wussten – wir wurden als Kameramann und Reflektorfrau missbraucht. Vom Stall aus liefen wir fünf (mit Pferd) einige Kilometer zu einem von Bäumen überdachten Feldweg und schließlich zu den Rapsfeldern. Agata, das Model, war meinem Reflektor gnadenlos ausgesetzt. Martin durfte am Ende auch mal in den Genuss kommen. :)

D_Rapsfotofeld

Das Team filmt und blendet sich gegenseitig.

Wir hatten auch unser eigenes Model mitgebracht, das prima auf dem Zaun sitzend poste.

D_Lommy

So? Oder so? Ja, sehr gut!

Die Belohnung nach dem Shooting war ein Ausflug nach Dedham. Im Marlborough Head Inn gab’s sehr sehr leckeres Mittagessen, das wir anschließend bei einem Spaziergang zum Fluss wieder abzutrainieren versuchten.

D_weir

Wunderschönes Grundstück und ganz schön Spreewald!

D_Spreewald

Eindeutig. Spreewald von England! Da fühlt man sich gleich zu Hause. Was hab‘ ich doch für eine schöne Heimat. :)

D_wir

Und einen schönen Mann. ^_^

Wieder zurück, statteten wir dem Hollytrees Museum noch einen Speedbesuch ab, bevor wir uns für’s Theater fertigmachten. Ja! Ich dachte, nach all den Ausstellungen und Sightseeing müsste es mal etwas anderes sein. Und bestellte spontan Karten für die Premiere eines wohl sehr beliebten Stücks. In der Inhaltsangabe stand grob, dass es um das Leben eines Großvaters ging, der seine Geschichte seinem Enkel erzählte. Das klang gut verständlich.

Als wir das Mercury Theater dann 19 Uhr erreichten, rannten viele Kinder laut schreiend durch die Gegend. Alle mit diesen Halstüchern von … Pfadfindern. Und auch die erwachsenen Besucher trugen gruppenzugehörig alle fein ihren Halsschmuck. Ich sah Martin an, Martin sah mich an und wir dachten nur „Wo sind wir hier gelandet? Wofür haben wir unser Geld in den Sand gesetzt? Müssen wir das jetzt 3 Stunden lang aushalten?“ Aber viel zu schnell geurteilt. Es war genial! Sogar so genial, dass wir es als Highlight unseres Urlaubs bezeichnen. Die Schauspieler wurden mit Verlauf des Stückes immer älter, weil der Großvater mit den Erzählungen in seinem Leben natürlich auch immer weiter fortschritt. Der Kinderchor klang toll, die Jugendlichen konnten toll performen und überhaupt hatten alle richtig viel Spaß. Es war mehr ein Musical als ein Theaterstück. Mit unzählig vielen bekannten Songs – ebenfalls mit der Zeit verändernd. Und hach, man wäre am liebsten nach Hause getanzt.

MercuryTheater

Ein Ausschnitt aus Grease. Links saßen die Jungs.

Donnerstag, 17. April

Superknapp aufgrund von Busverspätung erreichten wir den Bahnhof. Natürlich genau heute Schalter geschlossen und das Ticket noch nie ohne vorherige Bestellung am Automaten gekauft. Aber ein netter Bahnangestellter half. Nur dass er (warum auch immer) drei oder vier mal alle Daten eingab weil (warum auch immer). Geschafft haben wir’s aber trotzdem noch und als wir im Zug saßen … verschwand die Sonne. Küste und Sonne, das war uns nicht vergönnt. So erreichten wir das graue Clacton-on-sea und schlenderten durch die Stadt zum beliebten Pier.

Cl_pier

Wenigstens Palmen, wa‘?

Aber es war schon etwas besonderes, diesen riesigen Vergnügunspark auf einem Steg im Wasser zu sehen. Wie das alles konstruiert ist und die Stromversorgung. Hier hatten bestimmt schon viele Besucher ihr Handy zwischen den Holzbrettern verloren. Von den Untiefen des Meers verschluckt.

Cl_rollercoaster

Mitten auf dem Wasser, das Clacton Party Pier.

Cl_rocket

Und ich in der Peppa Pig Rakete. Spacig!

Aber nicht nur auf dem Pier sondern den ganzen Strand entlang gab es Unterhaltung für groß und klein. Die Golfbahn war schon bald mehr Abenteuerland, als Golfbahn.

Cl_golf

Besser so schießen, dass der Golfball nicht drin liegen bleibt.

Und was ich dann auf den Steinstufen entdeckte – mysteriös:

Cl_ghost

Der Joker made of Möwenscheiße …

Heute Abend spielten Jukebox Fury in The Bull. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und sahen uns mit Alex und den in Colchester gebliebenen Spaniern ihren Auftritt an.

JukeboxFury

Superklasse, genial perfektiöse Band! <3

Freitag, 18. April

Lazy daaaay! Muss ja auch mal irgendwann nach all den Ausflügen sein. Nach dem laaangsamen Aufstehen betraten wir für’s Mittagessen die Küche. Martin schälte Kartoffeln, ich bereitete den Auflauf vor. Laut Glas-Anleitung sollte dieser 80 Minuten dauern! Also DVD aus dem Osterpaket geschnappt und im Wohnzimmer auf der Couch eingekuschelt. „The Help“ ist wirklich großartig! Gucken gucken gucken! Aber bei 140 Minuten aber auch viel Zeit nehmen. Und leckeren Kartoffelauflauf bereitstellen.

An diesem letzten Abend trafen wir uns mit Wendy in The Roberts, in dem eine 60er-Jahre-Coverband spielte. „Das ist meine Jugend!“ sagte Wendy und legte mit ihren Freunden eine flotte Sohle aufs Parkett. Leider wollten die anderen lieber in den Pub Odd one out gehen, also verabschiedeten wir uns nach einer Stunde, um auch Alessandro, Sam, Javier, Pilar und Namenvergessen ein letztes mal zu sehen. Von dort aus zogen wir weiter in den Biergarten vom Purple Dog, in dem wir schließlich bis zum Händeabfrieren blieben.

Samstag, 19. April

Letzter halber Tag. :( Vor Martins Ankunft hatte ich eine ganze Palette kleiner kuschliger Osterküken gekauft, die ich die ganze Zeit über vergessen hatte zu verstecken. Also heute! Ich stand eher auf, um die ersten vier im Bad zu verstecken. Das erste fand er auf dem Wasserhahn sitzend. Das zweite begrüßte ihn in der Dusche. „Kannst du mir mal bitte ein Ohrenstäbchen geben?“ – und da streckte ihm das dritte im Badschrank ganz keck seine Brust entgegen. :) Die ausgewaschenen Austern von Mersea Island nicht vergessen mitzunehmen. Darunter lag das vierte.

ld_kuekenshower

Nach dem Duschen …

Während Irina Martin (unbewusst) ablenkte, blieb mir genug Zeit, weitere Kükchen überall in der Küche zu verstecken. Normalerweise hätte ich in der Zeit den Tisch gedeckt, aber ging ja nicht, wenn Martin alles durch Zufall finden sollte. Dann also noch ein paar in unserem Zimmer und seiner Reisetasche.

Das fünfte Vögelchen saß auf der Toastbrottüte, das sechste saß nicht auf den Tellern, was ihn schon wunderte, sodass er im anderen Geschirrschrank nachschaute. Und tadaah! :D So ein Schläuerle! Bei den umgedrehten Tassen hob er schon extra vorsichtig hoch, um das Kleine nicht aus dem Schrank zu reißen. Dann noch eins im Frühstückskörbchen im Kühlschrank. Das war’s doch bestimmt gewesen. Ich brachte den Tee an den Tisch und meinte so entspannt wie möglich „Ach Messer fehlen noch!“ konnte mir das Lachen aber kaum mehr verkneifen. Ich drehte mich extra von ihm weg, damit er meine Gesichtszuckungen nicht sehen konnte. :D Hahahahaha! Was für ein Spaß!

ld_kuekentea

Piep piep, ich kann auf Teewasser gehen!

Und ich bin mir sicher, dass er eines bis heute nicht gefunden hat. Die Chance besteht aber noch. ;)

Zum Abschied gingen wir lecker essen im Timbers, einem Restaurant bekannt für seine exzellenten vegetarischen Speisen. Und das war’s wirklich! Pommes zu Lasagne sind zwar irgendwie eigenartig, aber bestimmt britisch.

ld_timbers

Und dann hieß es auch schon bye bye! Wie immer fühlte es sich an, wie gestern erst abgeholt. Aber bei all den Erinnerungen haben wir doch echt viel erlebt. Noch etwas mehr als 2 Monate, dann haben wir uns wieder. :)

ld_bus

Mit einem komischen Gefühl im Magen fährt der eine zum Airport, die andere macht sich auf den Heimweg zurück durch die Stadt. :( Winke winke!

 

 

 

 

 

Advertisements