So, morgen geht’s also los. Nach einer Familienwoche auf die andere Generation, Studenten, zu treffen wird sicher spannend. Und ich sehe mich schon in der bekannten Vorstellungsrunde sitzen, mit dem Unterschied, dass ich gemeinsam mit einer spanischen Austauschstudentin wahrscheinlich die einzige sein werde, die über sich erzählen soll, denn für gewöhnlich beginnt das Semester hier im September. Welch Freude, dass auch die anderen beiden ERASMUSer Spanier sind … Aber das bin ich ja fast schon gewohnt. Meine russisch-gebürtige Gast-Mutti spricht mit den Kindern auch hauptsächlich Russisch. Lost in foreign-language-space!

Über Bücher und Filme

Am Freitag habe ich mir eine Library-Card ausstellen lassen. For free! Nur für CDs und DVDs bezahlt man hier eine kleine Leihgebühr. Das Entleihen funktioniert wie an den Selbstbedienungskassen: Karte scannen, Pin eingeben, Bücher scannen, Bon erhalten und tschüss.

Und in England gibt es keine Preisbindung! Ein Paradies für Bücherwürmer. Habe schon einen Laden entdeckt, in dem man 3 neue Bücher für 5 Pfund bekommt!

Bibobooks

Ein paar hoffentlich nicht zu komplizierte Exemplare für den Anfang.
Auf diesem Bild sind bestimmt mehr als 30 Bücher zu sehen. Kindle macht’s möglich.

Auch wenn das Wetter oftmals klasse aussieht: zum Lesen im Park ist es noch zu windig und es besteht Hand-abfrier-Gefahr. Also verbringe ich die Abende meistens im Wohnzimmer meiner Gast-Eltern. Iren nutzt die kinderfreie Zeit zum Arbeiten an ihren Fotoprojekten. Sie ist nämlich Fotografin mit eigenem Studio hier im Haus. Gerade ist eine Kundin mit Kind gekommen, um sich ablichten zu lassen.

Im Wohnzimmer steht mir auch der Fernseher zur freien Verfügung. Mit Sky! Am Donnerstag Abend hatte ich mich also mal durch die Programme gezapt und war bei „Exorcismus“ hängen geblieben. Ich kenne mich ja generell nicht aus mit Sky, deshalb weiß ich nicht, was hier anders ist, aber wow: es gibt einen eigenen Horror-Kanal. Iren drehte den Fernseher ein Stück, stöpselte sich Kopfhörer ein und fragte mich, ob ich danach überhaupt noch schlafen könnte. Als Michael später nach Hause kam, lief gerade eine ziemlich blutige Szene. Er blieb stehen, schaute den Fernseher an, schaute mich an, wieder den Fernseher und lief dann schnell mit zugehaltenen Augen vorbei. :D Anschließend durchstöberten wir den DVD-Schrank nach Horrorfilmen. Sie hatten sich hinter den russichen Kinderfilmen (Ну, погоди!, Маша и Медведь, …) versteckt.

Über britische Ernährung

Natürlich kann man die erste Woche noch nicht mit der traditionellen britischen Küche vergleichen. Ich esse ja auch nicht jeden Tag (oder eher nie) Bratwurst mit Sauerkraut und … tja, was isst man dazu? Klöße? Kartoffelbrei?

Traditionelles Breakfast mit Rührei, Baked Beans, Schinken, Toast und was weiß ich ist viel zu aufwändig und kalorienhaltig, um es jeden Tag in sich hineinzustopfen. Hier habe ich bisher Cereals, Pancakes mit Marmelade (ja ich weiß) oder auch Cheese-&-Pickles-Sandwiches (lecker!!!) gegessen. Zum Lunch gibt’s meist eine kleine warme Mahlzeit und zum Dinner trifft sich dann die ganze Familie am Tisch. Wurde schon mehrmals von den Kindern zum Essen abgeholt: „Dinner is readyyyy!“ Man bedient sich aus verschiedenen Schüsseln – ein kleines Gefühl der asiatischen Esskultur – die Inhalte sind aber doch eher klassisch europäisch. Kartoffeln mit Möhren, Reis, Couscous-der-kein-richtiger-Couscous-ist, aber auch mal Nudeln, hier dann tatsächlich öfter Baked Beans, vegetarische Würstchen und imitierte Chickennuggets, selbstgemachte Saucen, fertige Dips (in den Horseradish Dip könnte ich mich reinlegen!) und meistens auch eine Schüssel frischer Salat.

Brotzeit

Vicky liebt Butter … Hier das Bild, bevor es in Form eines wiedergekäuten Niesers über mein eigenes Toast flog … Vor Bakterien ist man hier definitiv niemals sicher.

M&S ist ein hübscher „Supermarkt“ im Zentrum der Stadt. Mit guten Grafikern. Schilder und Verpackungen sehen ziemlich lecker aus, die Preise sind allerdings auch ein wenig saftiger. Britannien ist ja generell etwas teurer. Gut also, dass ich kein ganzes Jahr hier verbringe. Im Poundland findet man allerdings Dinge, die alle exakt 1 Pfund (ca. 1,25 Euro) kosten. Das scheint auf den ersten Blick günstig, allerdings kann man sich schnell täuschen. Nicht jede Nascherei ist mit 1,25 € preiswert.

bonbons

Njom njom sowohl für Zunge als auch das Auge: tolle Typo!

Am Freitagabend fuhr Iren mit mir etwas weiter außerhalb des Zentrums zum berühmten Sainsbury’s, einem 24/7-Supermarkt, um für die nächste Woche einzukaufen. Total klasse, alle Begriffe auf Englisch zu sehen. Übrigens wurde ich mit strengem Blick korrigiert: „Tomäääito“ sagt nur der Amerikaner. Hier gilt „Tomaaahto“. An der Kasse habe ich fast einen Lachkrampf bekommen, als die Kassiererin fragte, ob wir Tüten benötigten, denn dann geschah folgendes: sie inspizierte mit kurzem Blick die Menge unseres Einkaufs und zog dann, zack zack zack, blitzschnell etwa 8 Tüten aus der Vorrichtung. Die Umwelt wird sich freuen … nicht. Am Ende verließen wir mit 10 prall gefüllten Beuteln das Einkaufszentrum.

Ab übernächster Woche tausche ich dann half-board gegen self-catering und gehe allein einkaufen bzw. gebe meine eigene Bestellung auf. Wenn keine Zeit bleibt, lässt man sich den Einkauf für einen kleinen Aufpreis hier nämlich gern direkt nach Hause liefern. Neujahrsvorsatz Nr. 1 könnte damit zur echten Herausforderung werden.

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