Mittwoch, 2. Oktober

Dieses Semester gab es eine Überraschung im Vorlesungsverzeichnis: Die Uni fängt erst Mitte Oktober an! Beziehungsweise, die Visuellen Kommunisten sind nicht schon zwei Wochen vor allen anderen dran. Meine Eltern waren gerade im Urlaub in Schönhagen, eine Aufbettung war auch möglich, das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Ein bisschen Landluft kann nie schaden. So fuhr ich für die letzten drei vollen Tage mit dem Zug nach Göttingen. Zwei Stunden mit nur einer Station außerhalb Thüringens und der Bahncard 50 kosteten mich schlappe 3,85 €.

Das Auto parkten wir in einer Straße nahe der Altstadt. Ich entdeckte einen flüggen Kastanienbaum, schlug zum Schutz meine Kapuze hoch und sammelte in Hockstellung watend alle frischen Früchte auf. Dafür werde ich nie zu alt sein! :)

In Göttingen scharwenzelten wir durch die kleinen und großen Gassen, die hauptsächlich von Fachwerkhäusern begrenzt sind.

Fensterbaer

Dieser kuschelige Gefährte steht für den Bärenpark Worbis, der den Tieren nach grausigen Zeiten in Zirkus-, Gruben- oder Käfighaltung ein besseres Leben bietet. Mehr dazu auf http://www.baer.de

Ich habe noch nie so viele Buchläden in einer Straße gesehen. Liegt vielleicht daran, dass in Göttingen mehr Studenten als Einwohner leben. Im letzten fand ich dann noch ein Schnäbble, einen dicken Hardcover-Wälzer von Jodi Picoult „Zeit der Gespenster“ für 5 Euro ohne Mängelstempel. Danach fiel es mir leichter, einem jungen Mann die fehlenden 50 Cent zu schenken, um die er mich (angeblich für ein Zugticket) bat. Als ich ihm allerdings in die roten Augen sah, war ich mir ziemlich sicher: der gibt es garantiert nicht für ein Ticket aus.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg zurück zur Ferienwohnung. Beim Ausblick vom Balkon klappte mir die Kinnlade herunter.

Ausblick

Weit und breit keine Menschenseele. Auch rechts neben der Straße keine Häuser, sondern ein großes, hohes Maisfeld. Den nächsten Nachbarn in dieser Richtung sieht man erst im Winter.

Donnerstag, 3. Oktober

Am nächsten Morgen fuhren wir in die nahegelegene Stadt Silberborn, die für ihr Hochmoor bekannt ist und liefen über Waldwege und erhöhte Holzpfade.

Grasbusch

Von einem Hochstand aus konnte man über eine weite Lichtung das Moor in seiner herbstlichen Farbenpracht bestaunen.

Baumschnecken

Im Morast sah man immer wieder Tiere der Umgebung, die direkt in die gefällten Baumstämme geschnitzt wurden. Schnecken, Eichhörnchen, Libellen, Kraniche, …

Der Wald um uns herum wurde immer dichter, bis wir schließlich einen Hochseilgarten zwischen den Bäumen entdeckten. Ich wäre am liebsten in die Sicherheitsgurte geschlüpft und losgeklettert, aber trotz Sonne waren meine Hände eiskalt. Nicht gerade ideal für einen guten Halt. Am Barfußpfad am Boden wäre man ebenfalls festgefroren. *bibber*

Anschließend guckten wir uns noch die Liederbücher an der Straße in Silberborn an. „Im Frühtau zu Berge“ und schon trällerten Muddl und Vadl drauf los. :D

Liederstrasse

Die Bücher standen im Abstand von etwa 30 Metern entlang der Straße.

Da wir schon zeitig zurück waren, drehten wir noch eine Runde durch unseren „Wohnort“ Schönhagen.

Traktor

Ein völlig überwucherter Traktor am Maisfeld in der Nähe der Ferienwohnung.

Und wieder passierten wir Kastanienbäume, unter anderem auch eine Sorte ohne Stacheln. Die waren sehr angenehm in der Hand und die Frucht sah etwas länglicher aus. Was ist denn das? Kennt sich jemand aus? Also Maronen sind’s nicht. Schade eigentlich. *nomnom*

Pferde

Diese Pferde waren ebenso interessiert wie Wachhunde und kamen gleich zum Zaun, wo das linke Pferd demonstrativ den leeren Eimer mit seinem Huf umkippte. „Da seht ihr, wir haben nichts mehr zu essen.“

Am Abend machten wir es uns mit Kerzen und Naschereien auf der Couch gemütlich und schauten den Katastrophen-Film „Helden“, der mir trotz Kritik richtig gut gefiel. Na ja, ich hab‘ sowieso eine seltene Schwäche für deutsche Filme. :)

Freitag, 4. Oktober

Die Fahrt zu unserem Ausflugsziel heute dauerte etwa eine Stunde (ich liebe langes Auto-gefahren-werden). Wir wollten uns mal den Ort ansehen, an dem es so viele Ratten und einen Fänger gegeben haben soll. Hameln.

Ratte

Schon der erste Hinweis. Ratten über Ratten zwischen den Pflastersteinen.

Wir warteten mit vielen anderen Touris vorm Rathaus auf das Glockenspiel. Ding ding ding, däng däng, dann setzte Flötenmusik ein, das Tor ging auf und der Rattenfänger drehte seine Runde.

Rattenfaengerspiel

Knackarsch. ;)

An jeder Ecke sah man eine Skulptur, ein Schild, einen Laden-Namen oder einen Brunnen zur Geschichte. Aber es gab auch Abwechslung:

Gruseloma

Eine gruselige Omi, die im leichten Wind noch gruseliger auf ihren Füßen nach vorn wippte.

Winzig klein versteckte sich zwischen zwei größeren Läden das Nähstübchen „Fräulein Pritzi„, in dem mir die Auswahl wie immer nicht bseonders leicht fiel.

StoffHameln

Diesmal nur ein Stoff, der mir aber so gut gefiel, dass ich dafür ein längeres Stück als sonst nahm.

Auf dem Weg zurück zum Auto verfütterten wir die letzte Scheibe Brot. Eine Mischlingsentengans stellte sich dabei besonders geschickt an. Sie legte den Kopf schief und schaute mich an wie ein Hund, der Wurst erschnuppert hat.

Flugente

Abflug!

Samstag, 5. Oktober

Abflug hieß es dann auch am Samstagmorgen. Wir hielten noch einmal in Uslar an einem Bastelstübchen und einem Buchladen an. Für die Fahrt kaufte ich mir Morton Rhues „Boot Camp“ und verschlang nach dem öden „Vor dem Sturm“ von Jesmyn Ward das halbe Buch. Ich sage nur so viel: dieses Buch macht einen ungeheuer wütend! Nicht auf den Autor natürlich, sondern auf gewisse Personen der Geschichte. Und so etwas existiert wirklich!

Unser Renault entschied sich im Laufe der Fahrt, seinen Schalldämpfer außer Kraft zu setzen, so dass wir schon bei knapp über 100 km/h wie ein (Tabula) Raser klangen.

Zuletzt noch die Ausbeute an Leseproben innerhalb von 3 Tagen:

Leseproben

Im „Leerbuch für Dummies“ steht … natürlich nichts. :)

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