Mehr oder weniger durch einen Zufall (durch ein Gewinnspiel, bei dem ich mal wieder nix gewonnen habe), bin ich auf weitere, viel wertvollere Informationen gestoßen, die letztendlich einiges zu meiner Bildung beitragen konnten.

Die-WelleIch erfuhr, dass Morton Rhue in der Stadt war! Beziehungsweise, demnächst sein würde. Es war also noch nicht zu spät. Morton Rhue! Die Welle! Aus New York! Extra hier im vergleichsweise Mini-Erfurt. Um zu lesen und sich löchern zu lassen. Für nur 4 Euro mit Studentenkarte … nee, so günstig ging’s dann doch nicht. Schließlich hat mich die Glücksfee ja nicht auserkören wollen. Sagt man das so? Gibt’s die Form von „auserkoren“ überhaupt? … (einen Augenblick später) … Was?? Auserkiesen? Ich werd‘ bekloppt – schon wieder was für die Bildung getan.

No place, no home – Morton Rhue (5/5) 285 Seiten

Also was ich eigentlich sagen wollte: jetzt musste ich mir natürlich noch sein aktuelles Buch zulegen: No place, no home. Mit diesem potthä− ähm, nicht so schönen Cover für 14,99 €. Augen zu und durch. Ich könnte es ja in hübsches Geschenkpapier einwickeln.

Allerdings bin ich nicht mehr dazu gekommen, weil es dann doch so klasse und mitreißend war, dass ich mit dem Einhüllen nur meine Zeit verschwendet hätte.

Hier die kurze copy&paste-Inhaltsangabe vom Ravensburger Verlag:

Nie im Leben hätte Dan damit gerechnet, dass auch er und seine Eltern einmal hier landen würden: in Dignityville. Dignityville ist eine Zeltstadt, ein Zufluchtsort für Leute, die erst ihre Arbeit, dann ihr Haus verloren haben. Ein Ort für Verlierer, die sich nicht genug angestrengt haben, dachte Dan. Doch dann lernt er Menschen kennen, die ohne Schuld ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft verloren haben – nicht jedoch ihren Stolz und den Willen, ihn sich zurückzuerobern.

Im Vordergrund des Sozialdramas steht die steigende Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskrise, die Morton Rhue alle Leser gekonnt spüren lässt. Es könnte jeden treffen.

Die zwei Tage bis zur Lesung kehrten meine Gedanken immer wieder zu diesem Thema zurück.

25. September 2013 – Morton Rhue

Und dann war es endlich soweit. Wir parkten gerade im Q-Park, eine Stunde vor Beginn, wie immer überpünktlich. Ich stieg aus, lief auf die Glastür vom Anger zu und wer kommt uns entgegen? Natürlich! Mister Rhue! Ich konnte ihn nur anstarren und abwesend dämlich grinsen. Er hat’s gesehen – ich hab’s gesehen! Und eine halbe Stunde später sahen wir uns dann in der Edith-Stein-Schule wieder.

Er saß mit einer Übersetzerin der Buchhandlung Peterknecht auf dem Aula-Podium und begann damit, ein Foto von seinem Haus zu zeigen, dass er glücklicherweise noch nicht verloren hat. Viele weitere interessante Bilder folgten und er gab Hintergrundinformationen zu jedem seiner bekanntesten Werke preis.

Ueber-uns-StilleIn Über uns Stille beispielsweise verarbeitet er seine Erinnerungen an die Kubakrise 1962, als er selbst 12 Jahre alt war. In einigen Magazinen wurden Hinweise aufgeführt, wie man sich am besten vor einem Atomangriff schützen könnte: Wie man einen Bunker baut und ausstattet. Tatsächlich baute Rhues Vater einen ebensolchen und Morton dachte darüber nach, was im Fall der Fälle passieren würde – würden alle Nachbarn ebenfalls in ihren winzigen vier Wänden Unterschlupf suchen? So fing alles an.

Boot-CampAsphalt-TribeSeine Ideen ergeben sich meist aus vorhergehenden Büchern. Zum Beispiel befragte er ein Mädchen für seine Recherche zu Asphalt Tribe, warum sie auf der Straße lebe. Sie antwortete damit, dass sie ihre Eltern sonst in ein Boot Camp stecken würden.

Todd-StrasserÜbrigens schreibt Morton Rhue unter einem Pseudonym – sein richtiger Name ist Todd Strasser – und zwar aus folgendem Grund: sein Debut begann mit gleich zwei Romanen. Der Verlag riet ihm, sich für eines der beiden Bücher einen anderen Namen auszudenken, da die Leser eher eins, nicht aber gleich auch ein zweites Buch von einem neuen Autor kaufen würden. Über einen geschickten Weg, der die deutsche Sprache miteinbezieht, nannte er sich schließlich Morton Rhue, da Todd dem deutschen „Tod“ ähnlich ist, was ins Französische übersetzt wiederum „mort“ heißt. Strasser ähnelt der deutschen „Straße“, die dem französischen „rue“ gleichkommt. Eigentlich logisch, oder? :)

MortonRhue

Autogramm-MortonRhue

19. September 2013

Eine Woche zuvor war ich schon einmal in Erfurt gewesen, um meine Ohren zu spitzen. Arno Strobel (Autor von Der Trakt, Das Wesen, Das Skript) stellte seinen neuesten Psychothriller Der Sarg vor.

Von seiner Lesung war ich leider ein wenig enttäuscht, weil er doch ziemlich offensichtlich bei Sebastian Fitzek abgeschaut hatte. Da er aus Saarlouis stammt, hatte ich mir erhofft, er würde ein bisschen im saarländischen Dialekt sprechen. Sowas wie „Hauptsach gudd gess.“ oder „Hasch du denne Dumm- schwätzer dòò geheerd?“ Na ja, ich spreche ja auch nicht Thüringisch, nor?

ArnoStrobel

Trotzdem hat mich sein Weg zum Schriftsteller doch sehr fasziniert. Alles begann mit Kurzgeschichten in einem Forum, von denen gleich die zweite so gut ankam, dass ein unbekannter Verlag sie in einer Anthologie veröffentlichen wollte. Nach anderthalb Jahren und ca. 60 Geschichten wagte sich Strobel an einen Roman heran, den er Magus – Die Bruderschaft nannte. Er schickte Manuskripte an die zwanzig bekanntesten Verlage Deutschlands – und erhielt zwanzig Absagen. Vor einem kleinen Verlag schreckte er anfangs zurück und dachte sich: die haben kein Budget und keine Absatzwirtschaft. Auf dem gleichen Stand befand auch er sich, also gründete er kurzerhand mit einem Grafiker-Freund einen Verlag, verteilte 500 Exemplare in den Buchhandlungen Saarbrückens und schon ein paar Tage später kamen Anfragen nach weiteren Exemplaren. Dann folgte der Sechser im Lotto: sein Roman fiel dem Chef der Mayerschen Buchhandlung in Aachen in die Hände, dieser war so begeistert, dass er Empfehlungsschreiben an die Verlage schickte und siehe da – nun rissen sich auf einmal alle darum.

Autogramm-ArnoStrobel

 Und bald?

steht eine weitere Lesung von Veit Etzold (Final Cut, Seelenangst) in Weimar an. Die Karten habe ich sozusagen schon am minus ersten Verkaufstag gesichert.

Und da wären auch noch zwei weitere ganz tolle Autoren: Andreas Eschbach (Jesus-Video, Eine Billion Dollar, Ausgebrannt, Todesengel, …) und Rachel Joyce (Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry, Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte). Wenn’s zeitlich klappt, möchte ich unbedingt auch dort lauschen gehen. Falls jemand jetzt auch Lust verspürt, meldet euch einfach bei mir, dann können wir gemeinsam nach Erfurt fahren. :)