Nachdem ich in den letzten Tagen zum Booktube-Suchti geworden bin und ein paar Videos darüber entdeckt habe, wie man in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Exemplare von seinem Stapel ungelesener Bücher verschlingt, wusste ich: muss ich so etwas unbedingt auch mal ausprobieren!

24 Stunden bedeutet in diesem Fall aber nicht einen Tag, sondern 2 Tage, in denen man auch mal schlafen darf, also 12 Stunden pro Tag lesen könnte. Da ich zwischendurch ab und zu meinen Grundbedürfnissen nachgehen muss, den Blog aktualisiere und auch ein paar andere Dinge zu erledigen habe, wird meine Lesezeit ganz sicher nicht an die 24 Stunden heranreichen, aber ich gebe mein Bestes. :)

Tag 1 – Sonntag, 18. August

7:30 hat mich mein Wecker aus den Federn geschmissen – oder es zumindest versucht. Erst 8 Uhr saß ich dann lesebereit in meinem Bett, in meinem Rücken alle drei Kissen zu einem Turm gestapelt, warmer Tee und gemütliches Kerzenlicht. In der Hand den dicken Wälzer „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen, den ich schon an den Vortagen begonnen hatte. Auf Seite 160 startete also mein Marathon.

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Mittlerweile ist es um 12. Ich habe bisher 2 Stunden und 38 Minuten gelesen und 132 Seiten durchgeschmökert. Aber wie schon erahnt: es macht echt müde! Vor allem bei solch altertümlicher Schreibweise. Trotzdem sind die Dialoge zwischen Mr. Darcy, Elizabeth, Mr. und Mrs. Bennet und Mr. Collins wirklich lustig mitzuerleben.

In dieser Minute bietet Martin für mich noch für eine Sammlung mit 13 Fear Street Büchern auf Ebay. Nach zwei verlorenen Auktionen rechne ich mir nicht mehr allzu großen Erfolg aus, aber man darf die Hoffnung ja nie aufgeben.

Jetzt wird erstmal weiter gelesen und ich melde mich in ein paar Stunden zurück.

So, da bin ich auch schon wieder. Ich hatte mir das etwas anders vorgestellt, aber natürlich kommt erstens alles anders und zweitens, als man denkt. Mein Bewerbungs-Portfolio in ein schönes, mit der Maus blätterbares Flash-Magazin umzuwandeln und über einen einzigen kleinen Link auszugeben, der beim Empfänger zur Direktansicht führt, dauerte dann viermal so lang, wie gedacht.  Die PDF hätte mit 581 MB jedes Postfach gesprengt.

Erst 15 Uhr bin ich zum Weiterlesen gekommen. Meine gespitzten Ohren vernahmen ein leises Klopfen und wenige Minuten später regnete es gleichmäßig. Das war so gemütlich. Dann wurde der Himmel grau und ich hatte kein Fünkchen schlechtes Gewissen mehr, beim vormals schönen Wetter in der Bude zu hocken.

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Ich sehe es schon kommen: wenn es die Meisen nicht tun, werden sich irgendwann die Tauben daran hängen.

Der aktuelle Lesestand: 218 Seiten in 4 Stunden und 12 Minuten.

Nach so viel stolzem Vorurteil mangelte es mir allmählich an Konzentration. Im Buch wird die ganze Zeit nur gesprochen und gehandelt. Man erfährt kaum etwas über die Umgebung, was ich gerade für diese Zeit schade finde. Ich werde es nun erst einmal zur Seite legen und mir etwas spannendes aus meinem Stapel suchen. Am besten etwas blutiges!

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Lommy möchte immer mitlesen.

Nun ist es 22 Uhr. Nach der letzten Aktualisierung musste ich erst mal etwas essen, weil sich mein Magen beschwert hat. Es gab – tatatataaah:

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Musste ja schnell gehen. Der Dip war einfach zum Dahinschmelzen. :)

Danach habe ich also nach einem Thriller gesucht und mich für „Schwesterlein, komm stirb mit mir“ von Karen Sander entschieden. Das Buch ist noch ganz neu. Letzte Woche kam es mit der Post, schon mein zweites gewonnenes Rezensionsexemplar. Wenn das so weitergeht, muss ich nie wieder Geld für Bücher ausgeben. Juhu!

Da fällt mir ein: ich habe tatsächlich bei der Ebay-Auktion gesiegt! … also doch wieder Geld für Bücher ausgeben. :) Hach, ich bin schon ganz gespannt auf die gruseligen Geschichten, ich konnte letztens im Buchladen kaum daran vorbeigehen.

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Vitamine gegen die Müdigkeit.

Warum habe ich nicht schon eher damit begonnen? Dieses Buch ist sowas von spannend! Zwar ein Ermittlungsthriller, wobei ich lieber blanken Horror lese, aber mit tollen Charakteren und sehr viel Aktion. Blutig ist es außerdem:

Zuerst sah er nur die gegenüberliegende Wand. Sie war weiß gestrichen, ein weiß lackiertes Klavier stand davor. Beides war mit braunroten Flecken übersät, die sich wie Fontänen über den hellen Untergrund ergossen. Auch die Decke war braunrot gesprenkelt, ebenso das Bücherregal an der angrenzenden Wand.

Momentan habe ich insgesamt 6 Stunden, 28 Minuten und 324 Seiten weggeschmökert. Jetzt begebe ich mich ins Bett, wo mich natürlich noch ein Buch vom Schlafen abhält … und Lommy.

Tag 2 – Montag, 19. August

Nachdem ich ab Mitternacht noch eine Stunde gelesen hatte, stellte ich meinen Wecker auf 8 Uhr – denn 7 Stunden braucht der Mensch – und schaffte es dank des spannenden Buches sofort aufzustehen. Ich las so lange, bis sich mein Magen zu Wort meldete.

Bis zur jetzigen Seite gab es noch zwei Szenen, in denen beschrieben wurde, wie besonders blutig die Tatorte vom Mörder hinterlassen wurden. Bei der letzteren, muss ich zugeben, war ich ganz schön geschockt.

Heute habe ich bisher 154 Seiten in 3 Stunden und 23 Minuten verschlungen.

Seit etwa zwei Jahren führe ich ein Moleskine Book-Journal, bei dem man alles über seine Lesewerke archivieren kann. Titel, Autor, Lesezeitraum, Erscheinungstermin, Meinung und auch Zitate. Diese sammle ich sehr fleißig und es macht immer wieder Spaß, sich daran zurückzuerinnern.

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Book Journal von Moleskine, aufgeschlagen auf den Seiten für „Zwei an einem Tag“ und „Keine weiteren Fragen“ von David Nicholls.

Bis vor kurzem habe ich mir dafür immer einen Zettel und einen Stift bereit gelegt, aber da diese bei langweiligen Büchern bald einstauben, habe ich mir zumindest für den Zettel etwas neues einfallen lassen:

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Post its! Alte Diddl-Post-Its! :D Darauf notiere ich ein bezeichnendes Wort und mit „o“, „m“ oder“ „u“ etwa die Stelle auf der Seite, oben, mittig oder unten.

19:42 – zu erst einmal ein Freudenschrei: JUHUUU! Schon wieder bei Ebay zugeschlagen. Die nächste Auktion wird dann wohl ein Bücherregal. ;)

Als ich mich vorhin gemütlich unter die Bettdecke gekuschelt habe, hat es mich dahingerafft. Ich konnte die Augen einfach nicht mehr offen halten und habe meinen Alarm auf 20 Minuten später für einen Powerschlaf gestellt, um nicht ganz soviel vom Tag zu verpassen. Völlig benommen drückte ich die Schlummertaste, nach dem ich aus dem Tiefschlaf gerissen wurde.

Mit dem Thriller bin ich nach weiteren 2 Stunden, 34 Minuten und 118 Seiten fast fertig. Und ich hab’s gewusst! Das soll aber nicht heißen, dass die Handlung leicht zu durchschauen ist. Ich habe nur zufällig über zwei winzig kleine Stellen, die wahrscheinlich unwichtig erscheinen, länger nachgedacht. Und nach mehr als 65 Thriller/Krimi/Horror-Bänden wird man auch irgendwann misstrauisch.

Bei Sebastian Fitzeks Lesung im Herbst 2009 beantwortete ich ja leider auch als eine der wenigen die Frage in dem Sinne, wie nach Tests ausnahmslos auch alle Serienmörder geantwortet hatten. Folgende Situation: Eine Frau begegnet auf der Beerdigung ihrer Mutter einem attraktiven Mann, den sie zu geeigneter Zeit ansprechen möchte. Doch dann ist er verschwunden. Eine Woche später ist ihre Schwester tot. Wieso? (Die Auflösung gibt es ganz unten in diesem Blogartikel)

Nachdem Martin wiedergekommen war, machten wir uns auf den Weg in die Stadt, um lecker zu Abend zu essen.

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Wie immer führt unser Weg vorbei am Residenzschloss mit Turm und Bastille (darin hatte Martin einen Teil seines ersten Films für die Uni gedreht).

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Sehr gut in Szene gesetzt: Goethe und Schiller zerschnitten von den Schirmen unseres Lieblingseiscafés vorm Nationaltheater.

Kaum zu Hause, las ich die letzten 30 Seiten zu Ende. Ein sehr gutes Buch! Ich vergebe 4/5 Sternen. Für den absoluten Knaller hat mir noch ein bisschen mehr Gefühl gefehlt. Nichtsdestotrotz kommt es mit so vor, dass in Thrillern mit weißem Cover oft eine tolle Geschichte schlummert.

Heute am zweiten Tag habe ich 6h und 26min (bis auf 2 Minuten genauso viel wie gestern, gruselig) für 298 Seiten gelesen. Im gesamten Marathon von 2 Tagen also 12 Stunden, 54 Minuten und 622 Seiten. Das muss auf jeden Fall irgendwann getoppt werden. ;)

Und nun noch zur Auflösung der Serienmörderfrage: Die Frau selbst hat ihre Schwester umgebracht, in der Hoffnung, bei deren Beerdigung den attraktiven Mann wiederzusehen. Logisch, oder?

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