Lieber Lumbi,

du kamst zu uns im Juli 2008. Steffen, unser Nachbar hatte dich auf einem großen Parkplatz gefunden. Die Sommerferien hatten gerade begonnen und irgendjemand musste dich ausgesetzt haben. Steffen rettete dich vor den vielen gefährlichen Autos und brachte dich zu seiner Familie. Kurze Zeit später warst du zur Urlaubsbetreuung zu uns gekommen. Doch nach einer Woche hatten wir uns so sehr in deine süße Art verliebt, dass wir dich nicht mehr hergeben wollten. So begann dein glückliches Leben bei uns. Ich taufte dich Columbus, weil du gleich in der ersten Nacht aus deiner Tragekiste geklettert bist und mutig alles erkundet und entdeckt hast. Ich konnte kaum schlafen, da du gleich durch den Zaun zum Nachbargarten gekrochen bist, in dem Husky-Hündin Ekila ihr Revier verteidigte. Für mich war es wie ein Wunder, als ich dich am nächsten Tag an der für dich aufgestellten Futterschale Milch schleckern sah.

Das allererste Foto von dir.

Für meine Mutti und längst auch deine Mutti warst du wie ein Geschenk. Ein zweites Kind, als das erste gerade in die Welt hinausging. Mit dir kam wieder Leben ins Haus. Auch unser Papi schloss dich bald ins Herz, obwohl er vorher immer alle Katzen aus unserem Garten vertrieben hatte und du die ersten Wochen nicht in die Wohnung durftest. Bald merkten wir, dass du ein äußerst lieber Kater warst, der weder Gardinen von der Stange holen noch Möbel zerkratzen würde. Als Gegenleistung bekamen wir von dir jede Menge Kuscheleinheiten, besonders abends beim Fernsehen rolltest du dich auf der Decke ein, mit der sich deine Mutti immer zudeckte. Dein Schnurren und gelegentlich leises Miauen entspannten uns so sehr.

Abends bei Mutti.

Tagsüber war dein Lieblingsschlafplatz der Bettkasten. Dort konntest du Stunden verbringen, in Sicherheit vor dem frechen Kater Hugo. Von der Treppe aus begrüßtest du oft unseren Besuch, indem du in sicherem Abstand von oben durch das Geländer lugtest. Deine Mutti liebte es zu puzzlen, vor allem, wenn du ihr dabei zusahst, auch wenn du dich oft direkt auf die Platte gelegt hast und mit den Puzzleteilen spieltest. Zweimal mussten wir nachbestellen, weil das letzte Teil fehlte.

Aber auch draußen hattest du zu jeder Jahreszeit deinen Spaß. Im Frühling Schmetterlingen hinterherspringen, im Sommer aus unserem kleinen Brunnen auf der Terrasse trinken, im Herbst im Laub Verstecken spielen und im Winter im Schnee herumtollen.

Gefunden! :)

Suchst du hier Mäuse im Eiskühlfach?

Wenn Mutti und Papi im Garten arbeiteten, warst du zur Stelle und hast versucht, die beiden zum Spielen zu überreden, indem du beim Unkrautzupfen auf Muttis Rücken sprangst, oder nach Papis Hand wie nach einer Maus haschtest. Baum hoch Baum runter, dem Ball hinterhergefegt. Vor dem Rasensprenger geduckt. In den Hecken und Büschen versteckt, doch meist schaute dein Schwanz noch heraus. :) Auf den Zaunpfeilern die Sphinx nachgeahmt. Hauptsache in der Nähe von deinen Eltern.

Egal wo deine Mutti hinging, du musstest immer an ihrer Seite sein. Und ging sie während des Abendbrotes nur mal eben in die Küche, sagte Papi „Ach Schnuffke, bleib doch liegen, die Muddl kommt gleich wieder.“ Auch früh wartetest du im Bad, bis sie soweit war, um dann gemeinsam die Treppe hinunter zu laufen und dir dein Frühstück von ihr geben zu lassen. Ziemlich neugierig wolltest du immer auch wissen, was deine Mutti so macht und inspiziertest alles sehr gründlich oder versuchtest dich genau wie sie zu verhalten.

Beim Zeitunglesen mit Mutti.

In 4 Jahren entwickelten wir mit dir Rituale, die nicht mehr wegzudenken waren. In der letzten Zeit brachtest du deine Mutti sogar jeden Tag zum Auto, das sie zur Arbeit abholte. Du saßst brav wartend neben ihr und wenn sie einstieg, machtest du dich auf den Rückweg. Nie bist du in die andere Richtung über die Straße gelaufen, dazu warst du ein viel zu schlauer Kater.

Doch gestern muss etwas passiert sein, das dich abgelenkt oder erschreckt hat.

Wir warteten den ganzen Abend auf dich und machten uns schon langsam Sorgen. Irgendwann rief Steffen an und fragte, ob du denn bei uns seist. Er habe heute früh eine Katze auf der Straße liegen sehen, die dir so ähnlich sah. Mit schmerzhaft schlagendem Herzen gingen wir zu der Stelle, an der er dich gesehen hatte und klingelten bei dem alten Mann, der im Haus direkt dahinter wohnte. Er beschrieb dich genau: vier weiße Pfötchen und ein dunkler Streifen auf dem Rücken. Er hatte dich von der Straße geholt und dir gleich ein Grab in seinem Garten gegeben.

Unendlich groß ist unsere Trauer um dich. Wir hoffen, dass es dir dort oben gut geht. Dass du Menschen findest, die dich ebenso gut behandeln und auf Händen tragen. Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir dich so plötzlich verabschieden müssten. Viereinhalb Jahre sind für ein Katzenleben viel zu kurz.

Wir sind in Gedanken immer bei dir. Deine Schwester, Mutti und Papi.

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