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5. Juni 2012: Kostümanprobe

Gesucht wurden Darsteller aus Bornhagen und Umgebung für den Kinofilm „Der Medicus“. Dass Weimar dann doch ein ganzes Stück weit weg lag, bemerkte ich erst bei der Planung der Anfahrt. Über 3 Stunden mit Bus und Zug und noch mal Bus. Von Heilbad Heiligenstadt bis nach Bornhagen brauchte der Bus tatsächlich eine Stunde, weil er jedes noch so kleine Dorf anfuhr. Die Häuser verwandelten sich mit zurückgelegter Strecke zunehmend in Bäume. Wald. Felder. Kühe! Ganz nah an der Straße. Ich wäre ja am liebsten ausgestiegen, aber ich hatte eine andere Mission.

Der Warteraum war voll von Komparsen, die sich fragten, ob sie denn noch bis tief in die Nacht dort sitzen würden. Ich dagegen hatte meinen Kilometerbonus und durfte eher in den Raum zur Anprobe. Jeder war von vornherein einer bestimmten Stilrichtung aus dem 11. Jahrhundert in England zugeordnet. „Bourgeois“ nannte sich das, was damals von der gehobeneren Klasse, den Großbürgern und jetzt mir getragen wurde. Ein dünnes weißes Unterkleid, ein wärmendes etwas dickeres Unterkleid und das rote Hauptkleid. Kein Wunder, dass ich wie ein Mops aussah. :) Die Haare durften auf keinen Fall aus der Kopfbedeckung herausragen. Außer, man wollte sich als Hure zu erkennen geben.

Zum Schluss durfte man sich dann noch vor eine Wand mit einem Zettel mit der Kostümnummer stellen und für die schnellere Einordnung am Drehtag fotografieren lassen. Diese Wand befand sich natürlich gut sichtbar für alle im Warteraum …

der Mops

26. Juni 2012: Dreh

4:45 aufstehen, hektisch mit dem Fahrrad zum Bahnhof rasen und das Rücklicht verlieren (die Zeit war so knapp, dass ich es nicht mehr aufheben konnte), letztes Stück bergauf, wie sollte es anders sein, mit schmerzenden Lungen zum Bahnsteig taumeln und an der Anzeige lesen: Zug hat eine Verspätung von zehn Minuten. Aaaargh! Auf dem Heimweg sah ich mein Rücklicht übrigens zersprungen in tausend Teilen auf dem Kopfsteinpflaster verteilt liegen. Ich hatte es vor der Einfahrt zum Verwaltungsgericht verloren.

An diesem Tag schlug dann auch das Wetter so richtig zu. Regen und Kälte im Juni. Und wieder anstehen vor den Anproben. Kalt, nass, kalt, nass, brrr. Obwohl unsere Kleider lang genug waren, durften wir keine Strümpfe tragen – man könnte sie beim Treppensteigen oder ähnlichem hervorblitzen sehen. Im Drehbuch stand „Sommer“, also wurde auch Sommer gedreht.

Anschließend ging es in die Maske. Dreck und nichts als Dreck, dafür wird extra Kosmetik hergestellt. Wir sollten übrigens ungeschminkt am Set erscheinen. Kein Schmuck, kein Nagellack, keine gefärbten Haare (obwohl man die doch sowieso nicht sah). Als sie mit einem Pinsel braune Farbe unter meine Fingernägel tupfte, fragte ich, wozu diese zweite Flüssigkeit sei, die sie mit der Farbe mischte. „Das ist Alkohol, damit die Farbe auch beim Waschen nicht abgeht.“ – „Toll …“

Oliver in der Maske

Franks Arbeiterhände

Mit Shuttlebussen brachte man uns nach einer Stunde Wartezeit hoch zur Burg Hanstein, vorbei an unzähligen LKWs mit Aufschriften wie „Catering“, „Aufnahmeleitung“, „Requisite“ und so weiter. Oben angekommen dann die ganze Technik. Beleuchtung, Greenscreens, Traversen und und und. Ein Techniker schaute mit einem kleinen speziellen Glas in den Himmel und konnte so die Wolkendichte für eventuelle Beleuchtungsänderung feststellen. Was es nicht alles gibt!

Wir wurden ans Set geführt, durch den Burgeingang in eine prächtige Kulisse. Überall Händlerwagen und entsprechende Waren. Der beeindruckendste und auffälligste Wagen erstrahlte in sattem Rot – und da kam auch schon der Regisseur Philipp Stölzl: „Warum haben die denn alle rote Kleider an? Das kann doch nicht sein, ich habe euch eine Liste mit Farbtabelle gegeben und hier in diese Szene sollte KEIN Rot rein. Wie sieht denn das aus vor dem Wagen? Der kommt überhaupt nicht mehr zur Geltung. Raus und umziehen!“ Ja … gut … na dann, alles noch mal von vorn. Irgendwie sah ich im blau-grauen-Kleid nicht mehr ganz so „gehoben“ aus. Die Szene war ja nun auch eine andere, da die eigentliche sofort mit anderen Komparsen besetzt worden war. Jetzt auch Maskenbildner am Set, die den Dreck „auffrischten“. Hätte ich mich selbst sehen können, hätte ich mich wahrscheinlich vor mir selbst erschreckt. So schnell altert man mal um zehn Jahre. Unsere Aufgabe bestand darin, vorbei an dem Barber (Stellan Skarsgård) im Gespräch mit einem Straßenjungen (Robert A. Foster) den Burgeingang hochzulaufen. Ungefähr 8 mal, damit aus unterschiedlichen Perspektiven für den Schnitt aufgenommen werden konnte. Das soll wohl die letzte Szene im Film sein, also eine gute Chance, nicht rausgeschnitten zu werden. Ich bin gespannt! Herbst 2013 im Kino!

Für heute abgedreht. Wenn ich mit 30 so aussehe – Prost Mahlzeit. :)

Zum Schluss noch mal alles in Bewegtbildern von Komparsin Nicole, die den Dreh ganz ähnlich erlebt hat und beschreibt. :)

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