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Um das so schon viel zu kurze Wochenende zu verlängern, entschied ich mich diesmal für den letztmöglichen Zug, der 19:03 in Cottbus losfahren und 22:16 in Weimar ankommen sollte. Teurer ICE inklusive. Bis Leipzig lief alles wie geschmiert. Ich musste mir eine dieser alten, gemütlichen Zugkabinen mit nur einer weiteren Reisenden teilen, die sich sogar entschuldigte, als sie aus Versehen mit ihrem Fuß gegen meine Tasche stieß. Ich las die ganze Fahrt über in zwei verschiedenen Büchern, konnte danach allerdings nicht sagen, worum es ging. Ich war mit meinen Gedanken ganz woanders. Bei einem Gespräch wenige Stunden davor. In diesem Trance-Zustand stieg ich in Leipzig aus. Keine Verspätung. Normale 14 Minuten Umstiegszeit. An der Anzeige von Gleis 11 standen heute zwei Züge, die in Naumburg getrennt weiter fahren sollten. Die typische digitale Bandanzeige lief bereits durch den oberen Kasten – der Zug nach Saalfeld sollte mit etwa 40 Minuten Verspätung eintreffen. Und meiner nach Frankfurt am Main? War natürlich mitbetroffen, obwohl pünktlich. Wer sich sowas ausdenkt … Natürlich durfte man nicht einsteigen, bis die anderen Wagen in Leipzig angekommen und angekoppelt waren. Nach 20 Minuten Verwirrung blieben mir jetzt noch ca. 30 Minuten, um mir ein Beschwerdeformular am Schalter abzuholen und meine Hände im Buchladen aufzuwärmen. Immerhin hatte der noch bis 22:00 geöffnet. So muss ein Buchladen sein! =) Und im Wirbelwind-artigen Abscannen der Buchcover und Über-Düsen-Fliegen einiger Rückseiten wollte ein noch nicht gesehenes Exemplar von mir gekauft werden. Und das hatte wie immer seinen Preis. Einen hohen noch dazu.

Aber man muss sich auch mal etwas gönnen, wenn man schon für beinahe eine Stunde auf einem Bahnhof gefangen ist. Ganze 55 Minuten später fuhr er dann nämlich tatsächlich ein. Große Menschentrauben versammelten sich um die Türen. Musste ja noch gekoppelt werden. Aber da wir alle ähnlicher Maßen litten, entwickelte sich schnell ein Gemeinschaftsgefühl. Ein Bahn-Witz folgte dem nächsten. Endlich im Zug, befreite ich meine neue Errungenschaft aus der Folie und war sofort vertieft in der Geschichte. Die Verspätung hatte mich davon abgelenkt, mir mal wieder allzu sehr den Kopf zu zerbrechen.

In Weimar angekommen, gab es natürlich keinen Bus mehr für mich. 2,5 km mit Gepäck durch nicht gerade ebene Straßen. Ich überlegte kurz, wie ich auch aus dieser Situation etwas Gutes machen konnte – und rief Tom an. Wir telefonierten die ganze Strecke lang und schon stand ich vor meiner Haustür.

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