Wir sind ja immerhin in Weimar.

Von Literatur über Biologie zu Geschichte

Am Freitag war es endlich mal wieder so weit: Tom kam mich besuchen! Am Dienstag wollte ich Karten für die Lesung von Marc-Uwe Kling mit seinem Känguru-Manifest kaufen, doch ich war schon zu spät dran. Seit dem Vormittag wohl restlos ausverkauft! Wir probierten es dann trotzdem. Und na ja, das Glück mag mich ja irgendwie. Es schickte mir zwei Leute, die je eine Karte loswerden wollten und schon saßen wir im Gewölbekeller der Stadtbibliothek Weimar. Marc (hat er sich überhaupt vorgestellt?) mischte einzelne Kapitel mit selbstkomponierten Musikstücken – nein Stückchen, denn erstens waren sie meist kurz und zweitens auf einer Mini-Gitarre dahingeschmettert. Die Tonlage der Stimme ganz egal. Doch auf besondere Weise sehr einprägsam. Am Ende gab’s noch eine Signatur (Nummer 4 in meiner Sammlung), allerdings erst einmal in die Känguru-Chroniken. Teil 1 der Trilogie.

Am Samstag entdeckten wir Jenas Pflanzenwelt. Im Botanischen Garten. Von den Tropen bis zur Heide war alles vertreten. Riesige Seerosen, fleischfressende Pflanzen und Kakteen aller Art. Die verdorrte Berglandschaft, hat mich an einen Urlaub mit meinen Eltern erinnert. Ich habe noch den langen, verdorrten Weg im Gedächtnis, der mir seltsamer Weise mal nicht lang vorkam, wie sonst überlicherweise alle Wanderwege. Und jetzt? Mag ich Spazierengehen sehr. Besonders mit Fotoapparat im Gepäck. Nichts von Unternehmungen mitzunehmen bedeutet doch irgendwann auch verblassende oder gar verfälschte Erinnerungen.

Seerose

Heute früh die letzte Kulturetappe. Ganz oben auf dem Ettersberg, wo man auch 2011 noch wenig Bebauung findet und ohne Wegweiser suchen müsste: die Gedenkstätte Buchenwald. Den großen Turm sehe ich ja beinahe jeden Tag, wenn ich den Leibnizallee-Hügel herunterfahre oder -laufe. Auch nachts, wenn er blau-grün angestrahlt ist. Doch er befindet sich gar nicht direkt im ehemaligen Lager, sondern etwas abgelegen am Hang mit Blick über ganz Weimar und noch weiter. Die Gedenkstätte selbst liegt noch hinter dem Hügel. Die Wärme und der steinige Untergrund machten uns schon zu schaffen – wie musste es erst für die Häftlinge gewesen sein. Ich gebe mir jedes mal wirklich Mühe, das alles begreifen zu können. Aber es ist einfach unvorstellbar. Die Baracken sind zum Großteil zerstört worden, sodass wir über eine große freie Fläche blicken konnten. Es befanden sich so wenige Besucher auf dem Gelände, dass man sich gar nicht der Enge und des Freiheitsentzuges bewusst werden konnte. Unser Visualguide (ein iPod-Touch) hatte Recht, als er uns schon in der Einführung warnte: „Um alles zu sehen, benötigen Sie mehr als eine Besichtigung.“ Auch Tom hätte gern noch mehr gesehen und so haben wir uns vorgenommen, noch einmal im Winter hochzufahren, um die Bedingungen bei Schnee und Kälte zumindest ein bisschen nachvollziehen zu können.

Denkmal von Buchenwald

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